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Biologie · Oberstufe und Abitur · Klasse 11–13 (Grundlagen ab Klasse 5)

Fotosynthese: Licht in chemische Energie

Bau des Chloroplasten, lichtabhÀngige Reaktionen und Calvin-Zyklus, Absorptions- und Wirkungsspektrum sowie limitierende Faktoren.

🎯 Lernziele

Nach diesem Thema kannst du 


  • die Bruttogleichung der Fotosynthese aufstellen und den Ursprung des Sauerstoffs erklĂ€ren
  • lichtabhĂ€ngige Reaktionen und Calvin-Zyklus den Orten im Chloroplasten zuordnen und verknĂŒpfen
  • Absorptionsspektrum und Wirkungsspektrum deuten (Engelmann-Versuch)
  • den Einfluss limitierender Faktoren erklĂ€ren
  • Fotosynthese und Zellatmung vergleichen

💡 ErklĂ€rung

Bei der Fotosynthese bauen Pflanzen mit Lichtenergie aus Kohlenstoffdioxid und Wasser Glucose auf: 6 CO₂ + 12 H₂O → C₆H₁₂O₆ + 6 O₂ + 6 H₂O (vereinfacht: 6 CO₂ + 6 H₂O → C₆H₁₂O₆ + 6 O₂). Versuche mit markiertem Sauerstoff zeigen: Der freigesetzte Sauerstoff stammt aus dem Wasser, nicht aus dem CO₂.

Ort ist der Chloroplast. In den Thylakoidmembranen liegen die Fotosysteme mit Chlorophyll. In den lichtabhĂ€ngigen Reaktionen regt Licht die Fotosysteme II und I an; Elektronen werden ĂŒber eine Elektronentransportkette weitergegeben. Die fehlenden Elektronen des Fotosystems II werden durch die Fotolyse des Wassers ersetzt, dabei entsteht O₂. Am Ende entsteht NADPH; der Protonengradient ĂŒber der Thylakoidmembran treibt eine ATP-Synthase an (ATP).

Im Calvin-Zyklus (lichtunabhĂ€ngige Reaktionen) im Stroma wird CO₂ mithilfe des Enzyms RuBisCO an den Akzeptor Ribulose-1,5-bisphosphat gebunden (Fixierung). Unter Verbrauch von ATP und NADPH aus den Lichtreaktionen werden die Produkte zu Zucker (Triosephosphat) reduziert, aus dem Glucose und StĂ€rke entstehen; ein Teil dient der Regeneration des Akzeptors. Beide Teile hĂ€ngen voneinander ab: Ohne Licht fehlen ATP und NADPH, und der Calvin-Zyklus kommt bald zum Stillstand.

Chlorophyll absorbiert vor allem blaues und rotes Licht, grĂŒnes wird reflektiert (Absorptionsspektrum). Das Wirkungsspektrum zeigt, bei welchen WellenlĂ€ngen die Fotosynthese am stĂ€rksten ist. Engelmann beleuchtete eine Fadenalge mit dem Lichtspektrum; sauerstoffliebende Bakterien sammelten sich dort, wo blaues und rotes Licht auftraf. Die Fotosyntheserate hĂ€ngt von LichtintensitĂ€t, CO₂-Konzentration und Temperatur ab; der Faktor im Minimum begrenzt die Rate (limitierender Faktor).

Beispiel

In GewĂ€chshĂ€usern wird manchmal CO₂ zugefĂŒhrt. An hellen Tagen ist oft nicht das Licht, sondern die CO₂-Konzentration der limitierende Faktor – mehr CO₂ steigert dann die Fotosyntheserate und den Ertrag.

📘 Fachbegriffe

Thylakoid
Membransystem im Chloroplasten; Ort der lichtabhÀngigen Reaktionen.
Stroma
Grundsubstanz des Chloroplasten; Ort des Calvin-Zyklus.
Fotolyse
LichtabhĂ€ngige Spaltung von Wasser; liefert Elektronen und setzt O₂ frei.
NADPH
Reduktionsmittel aus den Lichtreaktionen fĂŒr den Calvin-Zyklus.
RuBisCO
Enzym, das CO₂ an Ribulose-1,5-bisphosphat bindet.
Absorptionsspektrum
Lichtaufnahme eines Farbstoffs in AbhÀngigkeit von der WellenlÀnge.
limitierender Faktor
Faktor im Minimum, der die Fotosyntheserate begrenzt.

⚠ Typische Fehler

  • „Der Sauerstoff kommt aus dem CO₂“ – er stammt aus dem Wasser (Fotolyse).
  • Den Calvin-Zyklus „Dunkelreaktion“ nennen und glauben, er laufe nur nachts – er lĂ€uft im Licht, weil er ATP und NADPH braucht.
  • Annehmen, Pflanzen betrieben keine Zellatmung – sie atmen stĂ€ndig, tagsĂŒber ĂŒberwiegt nur die Fotosynthese.

✏ Übungen

Aufgabe 1 · leicht: Warum erscheinen BlĂ€tter grĂŒn?

Lösung anzeigen

Chlorophyll absorbiert vor allem blaues und rotes Licht; grĂŒnes Licht wird kaum absorbiert, sondern reflektiert und durchgelassen.

Aufgabe 2 · mittel: ErklÀre, warum der Calvin-Zyklus kurz nach dem Ausschalten des Lichts zum Stillstand kommt.

Lösung anzeigen

Der Calvin-Zyklus verbraucht ATP und NADPH aus den lichtabhĂ€ngigen Reaktionen. Ohne Licht werden sie nicht nachgebildet; sind die VorrĂ€te verbraucht, können CO₂-Fixierungsprodukte nicht mehr reduziert und der Akzeptor nicht regeneriert werden.

Aufgabe 3 · anspruchsvoll: Bei schwachem Licht steigert eine Temperaturerhöhung von 15 auf 25 °C die Fotosyntheserate kaum, bei starkem Licht dagegen deutlich. ErklÀre.

Lösung anzeigen

Bei schwachem Licht ist das Licht der limitierende Faktor; mehr WÀrme beschleunigt zwar die enzymatischen Reaktionen des Calvin-Zyklus, aber es fehlen ATP und NADPH. Bei starkem Licht sind diese ausreichend vorhanden; nun begrenzen die temperaturabhÀngigen Enzymreaktionen, sodass höhere Temperatur die Rate steigert.

✅ Selbsttest

1. Woher stammt der bei der Fotosynthese freigesetzte Sauerstoff?
2. Wo lÀuft der Calvin-Zyklus ab?
3. Was zeigt der Engelmann-Versuch?

đŸ§Ÿ Zusammenfassung

  • 6 CO₂ + 12 H₂O → C₆H₁₂O₆ + 6 O₂ + 6 H₂O; O₂ stammt aus dem Wasser.
  • Thylakoide: Lichtreaktionen (Fotolyse, NADPH, ATP); Stroma: Calvin-Zyklus (Fixierung, Reduktion, Regeneration).
  • Chlorophyll nutzt vor allem blaues und rotes Licht.
  • Licht, CO₂ und Temperatur – der Faktor im Minimum limitiert.

🎓 AbiturĂ€hnliche Aufgabe: Wirkungsspektrum und limitierende Faktoren

Übungsaufgabe im Stil des Abiturs (keine OriginalprĂŒfung). Bearbeitungszeit etwa 50 Minuten.

Material

M1: Engelmann-Versuch (1882): Eine fadenförmige GrĂŒnalge wird mit dem durch ein Prisma zerlegten Licht beleuchtet. Im Wasser befinden sich bewegliche Bakterien, die sich zu Orten mit hoher Sauerstoffkonzentration bewegen. Ergebnis: Die Bakterien sammeln sich besonders dort, wo blaues und rotes Licht auf die Alge fĂ€llt; im grĂŒnen Bereich sind nur wenige.

M2: Messung der Sauerstoffabgabe einer Wasserpflanze bei 20 °C: Mit steigender LichtintensitĂ€t steigt die O₂-Abgabe zunĂ€chst steil an und erreicht dann ein Plateau. Nach Zugabe von Natriumhydrogencarbonat (CO₂-Quelle) liegt das Plateau deutlich höher.

  1. Beschreiben Sie das Ergebnis des Engelmann-Versuchs und deuten Sie es (M1). (AFB I/II)
  2. Beschreiben und erklÀren Sie den Kurvenverlauf in M2 mit dem Begriff des limitierenden Faktors. (AFB II)
  3. Entwickeln Sie eine Hypothese, wie sich eine Erhöhung der Temperatur auf 40 °C auf das Plateau auswirken könnte, und begrĂŒnden Sie sie. (AFB III)
Erwartungshorizont anzeigen
  1. Bakterien sammeln sich bei blauem und rotem Licht → dort wird am meisten O₂ gebildet → Fotosynthese ist bei diesen WellenlĂ€ngen am wirksamsten; Übereinstimmung mit dem Absorptionsspektrum des Chlorophylls (Wirkungsspektrum ≈ Absorptionsspektrum).
  2. Anstieg: Licht ist limitierend, mehr Licht → mehr ATP/NADPH → mehr Fotosynthese. Plateau: ein anderer Faktor (hier CO₂) limitiert. Mehr CO₂ hebt das Plateau – CO₂ war der limitierende Faktor.
  3. BegrĂŒndete Hypothese, z. B.: Plateau sinkt, weil Enzyme wie RuBisCO oberhalb ihres Temperaturoptimums an AktivitĂ€t verlieren bzw. denaturieren und die Zellatmung stĂ€rker steigt; alternativ zunĂ€chst Anstieg bis zum Optimum – entscheidend ist die fachliche BegrĂŒndung ĂŒber die TemperaturabhĂ€ngigkeit der Enzymreaktionen.

đŸ‘© Frag CELINA zu „Fotosynthese: Licht in chemische Energie“

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