Biologie · Oberstufe und Abitur · Klasse 11â13
Molekularbiologie: DNA, Replikation und Proteinbiosynthese
Vom Bau der DNA ĂŒber die semikonservative Replikation bis zu Transkription, Translation, genetischem Code, Mutationen und Genregulation.
đŻ Lernziele
Nach diesem Thema kannst du âŠ
- den Bau der DNA (Nukleotide, Basenpaarung, AntiparallelitÀt) beschreiben
- die semikonservative Replikation erklÀren
- Transkription und Translation einschlieĂlich Prozessierung bei Eukaryoten erlĂ€utern
- mithilfe der Codesonne AminosÀuresequenzen ermitteln und die Folgen von Genmutationen beurteilen
- Prinzipien der Genregulation (z. B. Operon-Modell) erklÀren
đĄ ErklĂ€rung
Die DNA ist ein Doppelstrang aus Nukleotiden (Phosphat, Desoxyribose, Base). Die Basen paaren sich komplementĂ€r ĂŒber WasserstoffbrĂŒcken: Adenin mit Thymin, Guanin mit Cytosin. Die beiden StrĂ€nge verlaufen antiparallel (5'â3' und 3'â5') und bilden eine Doppelhelix.
Bei der Replikation trennt die Helicase die StrĂ€nge; die DNA-Polymerase baut an jedem Einzelstrang einen neuen komplementĂ€ren Strang â immer in 5'â3'-Richtung. Am Folgestrang entstehen dadurch StĂŒcke (Okazaki-Fragmente), die die Ligase verbindet. Jede neue DNA besteht aus einem alten und einem neuen Strang: semikonservativ (nachgewiesen von Meselson und Stahl).
Die Proteinbiosynthese â die Herstellung eines Proteins nach der Information eines Gens â verlĂ€uft in zwei Schritten. Bei der Transkription liest die RNA-Polymerase den codogenen Strang und bildet eine komplementĂ€re mRNA (mit Uracil statt Thymin). Bei Eukaryoten wird die PrĂ€-mRNA im Kern prozessiert: Sie erhĂ€lt eine Cap-Struktur und einen Poly-A-Schwanz, und beim SpleiĂen werden die Introns entfernt, die Exons verknĂŒpft. Bei der Translation an den Ribosomen bringen tRNA-MolekĂŒle mit passendem Anticodon die AminosĂ€uren; je drei Basen (Codon) codieren eine AminosĂ€ure. Der genetische Code ist ein Triplett-Code, nahezu universell und redundant (mehrere Codons fĂŒr eine AminosĂ€ure); AUG ist das Startcodon, UAA, UAG und UGA sind Stoppcodons.
Genmutationen verĂ€ndern die Basensequenz. Eine Punktmutation kann stumm sein (gleiche AminosĂ€ure), eine Missense-Mutation (andere AminosĂ€ure) oder eine Nonsense-Mutation (vorzeitiges Stoppcodon). EinfĂŒgungen oder Verluste einzelner Basen verschieben das Leseraster (Rasterschubmutation) und verĂ€ndern meist das ganze folgende Protein. Genregulation: Bei Bakterien wird z. B. das lac-Operon nur abgelesen, wenn Lactose vorhanden ist â sonst blockiert ein Repressor den Operator (Substratinduktion).
SichelzellanĂ€mie: Im Gen fĂŒr eine Kette des HĂ€moglobins (ÎČ-Globin) ist eine einzelne Base verĂ€ndert. Statt des Codons GAG (GlutaminsĂ€ure) entsteht GUG (Valin). Das verĂ€nderte HĂ€moglobin verklumpt bei Sauerstoffmangel, die roten Blutkörperchen werden sichelförmig.
đ Fachbegriffe
- Nukleotid
- Baustein der NukleinsÀuren aus Phosphat, Zucker und Base.
- komplementÀr
- Passend gepaart: AâT (AâU in RNA), GâC.
- semikonservativ
- Jede Tochter-DNA enthÀlt einen alten und einen neuen Strang.
- codogener Strang
- DNA-Strang, der bei der Transkription abgelesen wird.
- SpleiĂen
- Entfernen der Introns und Verbinden der Exons in der PrÀ-mRNA.
- Codon / Anticodon
- Basentriplett der mRNA / komplementÀres Triplett der tRNA.
- Operon
- Bakterielle Funktionseinheit aus Promotor, Operator und Strukturgenen.
â ïž Typische Fehler
- Beim Ăbersetzen den falschen Strang verwenden â die Codesonne gilt fĂŒr die mRNA, nicht fĂŒr den codogenen DNA-Strang.
- In der RNA Thymin schreiben statt Uracil.
- Jede Mutation fĂŒr schĂ€dlich halten â stumme Mutationen verĂ€ndern das Protein nicht.
âïž Ăbungen
Aufgabe 1 · leicht: Gib den komplementÀren DNA-Strang zu 5'-ATGCCGTA-3' an.
Lösung anzeigen
3'-TACGGCAT-5'. Wichtig ist die antiparallele Orientierung: GegenĂŒber dem 5'-Ende steht das 3'-Ende.
Aufgabe 2 · mittel: Ein codogener Strang lautet 3'-TAC AAA CCG ATT-5'. Ermittle mRNA und AminosÀuresequenz (AUG = Met, UUU = Phe, GGC = Gly, UAA = Stopp).
Lösung anzeigen
mRNA: 5'-AUG UUU GGC UAA-3'. AminosĂ€uren: Met â Phe â Gly â Stopp.
Aufgabe 3 · anspruchsvoll: BegrĂŒnde, warum eine Deletion von einer Base am Anfang eines Gens meist schwerwiegender ist als eine Basensubstitution.
Lösung anzeigen
Eine Deletion verschiebt das Leseraster: Alle folgenden Codons werden anders gelesen, die AminosĂ€uresequenz Ă€ndert sich ab dieser Stelle vollstĂ€ndig, oft entsteht frĂŒh ein Stoppcodon. Eine Substitution betrifft nur ein Codon â sie kann stumm sein oder nur eine AminosĂ€ure austauschen.
â Selbsttest
đ§Ÿ Zusammenfassung
- DNA: antiparalleler Doppelstrang, AâT und GâC.
- Replikation semikonservativ, Synthese stets 5'â3'.
- Transkription (mRNA, Uracil) â Prozessierung bei Eukaryoten â Translation an Ribosomen.
- Genetischer Code: Triplett, redundant, nahezu universell; Start AUG, Stopp UAA/UAG/UGA.
- Punktmutationen: stumm, missense, nonsense; Rasterschub bei Insertion/Deletion.
đ AbiturĂ€hnliche Aufgabe: SichelzellanĂ€mie â von der Mutation zum Merkmal
Ăbungsaufgabe im Stil des Abiturs (keine OriginalprĂŒfung). Bearbeitungszeit etwa 60 Minuten.
M1: Ausschnitt des codogenen Strangs im ÎČ-Globin-Gen (Codons 5â7), gesunde Form: 3'-GGA CTC CTC-5'. Bei SichelzellanĂ€mie: 3'-GGA CAC CTC-5'.
M2: Ausschnitt der Codesonne: CCU = Prolin, GAG = GlutaminsÀure, GUG = Valin.
M3: Menschen mit zwei Sichelzellallelen leiden an schweren Durchblutungsstörungen. Mischerbige Menschen sind meist gesund und in Malariagebieten seltener schwer an Malaria erkrankt. In Teilen Afrikas mit hohem Malariarisiko ist das Sichelzellallel deutlich hÀufiger als in malariafreien Gebieten.
- Ermitteln Sie fĂŒr beide Formen die mRNA und die AminosĂ€uresequenz der Codons 5â7 (M1, M2). (AFB I/II)
- Benennen Sie die Mutationsart und erlĂ€utern Sie, wie die VerĂ€nderung einer einzigen Base zum Krankheitsbild fĂŒhren kann. (AFB II)
- ErklÀren Sie die hohe HÀufigkeit des Sichelzellallels in Malariagebieten mithilfe der Evolutionstheorie (M3). (AFB III)
Erwartungshorizont anzeigen
- Gesund: mRNA 5'-CCU GAG GAG-3' â Prolin â GlutaminsĂ€ure â GlutaminsĂ€ure. Sichelzell: mRNA 5'-CCU GUG GAG-3' â Prolin â Valin â GlutaminsĂ€ure.
- Punktmutation (Basensubstitution AâT im codogenen Strang), Missense-Mutation. Valin ist unpolar statt der geladenen GlutaminsĂ€ure; das verĂ€nderte HĂ€moglobin lagert sich bei Sauerstoffmangel zu Fasern zusammen, die Erythrocyten verformen sich sichelförmig, verstopfen Kapillaren und werden schneller abgebaut (Durchblutungsstörungen, Blutarmut).
- Mischerbige haben in Malariagebieten einen Selektionsvorteil (seltener schwere Malaria) gegenĂŒber reinerbig Gesunden; Reinerbige mit zwei Sichelzellallelen sind stark benachteiligt. Durch diesen Heterozygotenvorteil bleibt das Allel in der Population erhalten und ist hĂ€ufiger als in malariafreien Gebieten, wo der Vorteil fehlt und Selektion gegen das Allel wirkt (balancierter Polymorphismus).
đ© Frag CELINA zu âMolekularbiologie: DNA, Replikation und Proteinbiosyntheseâ
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