Biologie · Oberstufe und Abitur · Klasse 11â13
Zellatmung: Energie aus Glucose
Glykolyse, oxidative Decarboxylierung, Citratzyklus und Atmungskette â wo sie ablaufen, was sie liefern und wie ATP entsteht. Dazu die GĂ€rung.
đŻ Lernziele
Nach diesem Thema kannst du âŠ
- die Bruttogleichung der Zellatmung aufstellen
- die vier Teilschritte den Zellkompartimenten zuordnen und ihre Bilanz beschreiben
- die ATP-Bildung durch Chemiosmose an der inneren Mitochondrienmembran erklÀren
- Zellatmung und GĂ€rung vergleichen
- Versuchsergebnisse mit Hemmstoffen deuten
đĄ ErklĂ€rung
Bei der Zellatmung wird Glucose mit Sauerstoff vollstĂ€ndig zu Kohlenstoffdioxid und Wasser abgebaut; die frei werdende Energie wird teilweise in ATP gespeichert, dem universellen EnergietrĂ€ger der Zelle. Bruttogleichung: CâHââOâ + 6 Oâ â 6 COâ + 6 HâO (+ Energie).
1. Die Glykolyse lĂ€uft im Cytoplasma ab: Glucose wird zu zwei MolekĂŒlen Pyruvat abgebaut; netto entstehen 2 ATP und 2 NADH. 2. Bei der oxidativen Decarboxylierung in der Mitochondrienmatrix wird von jedem Pyruvat COâ abgespalten; es entsteht Acetyl-CoA und NADH. 3. Im Citratzyklus (Matrix) wird der Acetylrest vollstĂ€ndig zu COâ oxidiert; pro Glucose entstehen dabei 2 ATP (bzw. GTP), 6 NADH und 2 FADHâ.
4. In der Atmungskette an der inneren Mitochondrienmembran geben NADH und FADHâ ihre Elektronen an Proteinkomplexe ab. Die Elektronen wandern bis zum Sauerstoff, der als Endakzeptor mit Protonen zu Wasser reagiert. Mit der dabei frei werdenden Energie pumpen die Komplexe Protonen in den Intermembranraum; es entsteht ein Protonengradient. Die Protonen strömen durch die ATP-Synthase zurĂŒck, die dabei ATP bildet (Chemiosmose). Hier entsteht der gröĂte Teil des ATP. Insgesamt liefert ein GlucosemolekĂŒl nach heutigen Angaben etwa 30â32 ATP; Ă€ltere LehrbĂŒcher nennen 36â38.
Ohne Sauerstoff kann die Atmungskette nicht arbeiten. Viele Zellen gewinnen dann nur ĂŒber die Glykolyse 2 ATP und regenerieren das NADâș durch GĂ€rung: Bei der MilchsĂ€uregĂ€rung (z. B. Muskeln bei Sauerstoffmangel, MilchsĂ€urebakterien) wird Pyruvat zu Lactat, bei der alkoholischen GĂ€rung (Hefe) zu Ethanol und COâ. Die Energieausbeute ist viel geringer als bei der Zellatmung.
Beim Sprint reicht der Sauerstoff in den Muskeln nicht aus. Die Muskelzellen bilden ATP zusĂ€tzlich ĂŒber Glykolyse und MilchsĂ€uregĂ€rung; das entstehende Lactat wird spĂ€ter, wenn wieder genug Sauerstoff da ist, vor allem in der Leber weiterverarbeitet.
đ Fachbegriffe
- ATP
- Adenosintriphosphat; universeller EnergietrÀger der Zelle.
- NADH / FADHâ
- Reduzierte ElektronenĂŒbertrĂ€ger; liefern Elektronen an die Atmungskette.
- Glykolyse
- Abbau von Glucose zu Pyruvat im Cytoplasma.
- Citratzyklus
- Kreisprozess in der Mitochondrienmatrix; oxidiert Acetylreste zu COâ.
- Atmungskette
- Elektronentransport an der inneren Mitochondrienmembran mit Protonenpumpen.
- Chemiosmose
- ATP-Bildung durch ProtonenrĂŒckstrom durch die ATP-Synthase.
- GĂ€rung
- Anaerober Abbau mit Regeneration von NADâș; geringe ATP-Ausbeute.
â ïž Typische Fehler
- Den Sauerstoff schon in der Glykolyse verbrauchen lassen â Oâ wird erst am Ende der Atmungskette benötigt.
- Annehmen, das COâ stamme aus dem eingeatmeten Sauerstoff â es entsteht bei Decarboxylierung und Citratzyklus aus der Glucose.
- Die ATP-Synthase in die Ă€uĂere Mitochondrienmembran setzen â sie sitzt in der inneren Membran.
âïž Ăbungen
Aufgabe 1 · leicht: Ordne den Teilschritten der Zellatmung ihren Ort zu.
Lösung anzeigen
Glykolyse â Cytoplasma; oxidative Decarboxylierung und Citratzyklus â Mitochondrienmatrix; Atmungskette â innere Mitochondrienmembran.
Aufgabe 2 · mittel: ErklÀre, warum die innere Mitochondrienmembran stark gefaltet ist.
Lösung anzeigen
In ihr sitzen die Komplexe der Atmungskette und die ATP-Synthasen. Die Faltung (Cristae) vergröĂert die OberflĂ€che, sodass mehr Komplexe Platz haben und mehr ATP gebildet werden kann (Struktur-Funktions-Zusammenhang).
Aufgabe 3 · anspruchsvoll: Hefe wird erst mit, dann ohne Sauerstoff gehalten. Beschreibe und erklÀre, wie sich Glucoseverbrauch und Ethanolbildung Àndern.
Lösung anzeigen
Mit Sauerstoff: Zellatmung, hohe ATP-Ausbeute pro Glucose, kaum Ethanol. Ohne Sauerstoff: alkoholische GĂ€rung mit nur 2 ATP pro Glucose; um gleich viel ATP zu gewinnen, verbraucht die Hefe viel mehr Glucose, und es entsteht Ethanol (Pasteur-Effekt).
â Selbsttest
đ§Ÿ Zusammenfassung
- CâHââOâ + 6 Oâ â 6 COâ + 6 HâO + Energie (ATP).
- Glykolyse (Cytoplasma) â oxidative Decarboxylierung â Citratzyklus (Matrix) â Atmungskette (innere Membran).
- ATP-Synthase nutzt den Protonengradienten (Chemiosmose).
- Ausbeute heute meist etwa 30â32 ATP pro Glucose; GĂ€rung nur 2 ATP.
đ AbiturĂ€hnliche Aufgabe: Hemmstoffe der Atmungskette
Ăbungsaufgabe im Stil des Abiturs (keine OriginalprĂŒfung). Bearbeitungszeit etwa 50 Minuten.
M1: Isolierte Mitochondrien werden in einer Lösung mit Pyruvat, Phosphat und ADP gehalten; gemessen werden Sauerstoffverbrauch und ATP-Bildung.
M2: Versuch A: Nach Zugabe von Cyanid sinken Sauerstoffverbrauch und ATP-Bildung auf nahezu null. Cyanid blockiert den letzten Komplex der Atmungskette, der die Elektronen auf Sauerstoff ĂŒbertrĂ€gt.
M3: Versuch B: Nach Zugabe von 2,4-Dinitrophenol (DNP) steigt der Sauerstoffverbrauch an, die ATP-Bildung sinkt jedoch stark, und die Temperatur der Lösung nimmt zu. DNP macht die innere Mitochondrienmembran fĂŒr Protonen durchlĂ€ssig.
- Beschreiben Sie den Aufbau eines Protonengradienten und die ATP-Bildung an der inneren Mitochondrienmembran. (AFB I)
- ErklÀren Sie die Ergebnisse von Versuch A (M2). (AFB II)
- ErklĂ€ren Sie die Ergebnisse von Versuch B und begrĂŒnden Sie, warum DNP frĂŒher als âSchlankheitsmittelâ eingesetzt wurde und heute wegen Lebensgefahr verboten ist (M3). (AFB II/III)
Erwartungshorizont anzeigen
- Elektronen von NADH/FADHâ wandern ĂŒber die Komplexe der Atmungskette auf Oâ; die frei werdende Energie wird zum Pumpen von Protonen in den Intermembranraum genutzt; Protonengradient (Konzentrations- und LadungsgefĂ€lle); RĂŒckstrom durch die ATP-Synthase treibt die ATP-Bildung aus ADP und Phosphat (Chemiosmose).
- Cyanid blockiert die Ăbertragung auf Oâ â Elektronentransport stoppt â kein Oâ-Verbrauch â keine Protonenpumpen â kein Gradient â keine ATP-Bildung.
- DNP lĂ€sst Protonen an der ATP-Synthase vorbei zurĂŒckflieĂen (Entkopplung): Der Gradient bricht stĂ€ndig zusammen, die Atmungskette lĂ€uft schneller und verbraucht mehr Oâ (und NĂ€hrstoffe), die Energie wird als WĂ€rme frei statt als ATP gespeichert. Mehr NĂ€hrstoffe werden âverbranntâ (Gewichtsverlust), aber Ăberhitzung und ATP-Mangel können tödlich sein â deshalb verboten.
đ© Frag CELINA zu âZellatmung: Energie aus Glucoseâ
Passt dazu: Stoffwechsel und Enzyme · Fotosynthese: Licht in chemische Energie · Die Zelle â Grundbaustein des Lebens