Deutsch · Mittelstufe · Klasse 8â10 (Grundlage Oberstufe)
Epik: ErzÀhltechnik und ErzÀhlformen
ErzÀhler und Autor, ErzÀhlform, ErzÀhlverhalten, ErzÀhlperspektive, Zeitgestaltung und Darbietungsformen wie erlebte Rede und innerer Monolog.
đŻ Lernziele
Nach diesem Thema kannst du âŠ
- Autor und ErzÀhler unterscheiden
- ErzÀhlform, ErzÀhlverhalten und ErzÀhlperspektive bestimmen
- ErzÀhlzeit und erzÀhlte Zeit unterscheiden (zeitdeckend, -raffend, -dehnend)
- Darbietungsformen erkennen (ErzÀhlerbericht, direkte/indirekte Rede, erlebte Rede, innerer Monolog)
- epische Kleinformen (Fabel, Parabel, Novelle) einordnen
đĄ ErklĂ€rung
Der Autor schreibt den Text; der ErzÀhler ist eine erfundene Instanz im Text, die erzÀhlt. Die ErzÀhlform ist entweder Ich-ErzÀhlung (der ErzÀhler ist Teil der Handlung) oder Er-/Sie-ErzÀhlung.
Das ErzĂ€hlverhalten beschreibt, wie der ErzĂ€hler auftritt: auktorial (allwissend, kommentiert, kennt Vergangenheit und Zukunft, wendet sich evtl. an die Leser), personal (erzĂ€hlt aus der Sicht einer Figur, weiĂ nur, was diese weiĂ und fĂŒhlt) oder neutral (berichtet wie eine Kamera von auĂen, ohne Innensicht und Kommentar). Die ErzĂ€hlperspektive gibt an, ob in Figuren hineingeblickt wird (Innensicht) oder nur Ă€uĂeres Verhalten gezeigt wird (AuĂensicht). (Die Begriffe stammen u. a. von Franz K. Stanzel und JĂŒrgen H. Petersen; SchulbĂŒcher verwenden sie teils unterschiedlich â richte dich nach deinem Unterricht.)
Zeitgestaltung: Die ErzĂ€hlzeit ist die Zeit, die man zum Lesen braucht, die erzĂ€hlte Zeit die Zeitspanne der Handlung. Zeitdeckend (ErzĂ€hlzeit â erzĂ€hlte Zeit, z. B. Dialoge), zeitraffend (Jahre in wenigen SĂ€tzen), zeitdehnend (ein Augenblick wird ausfĂŒhrlich erzĂ€hlt, z. B. Gedanken in einer Schrecksekunde). RĂŒckblenden und Vorausdeutungen durchbrechen die Chronologie.
Darbietungsformen: ErzĂ€hlerbericht; direkte Rede (âIch kommeâ, sagte sie.); indirekte Rede (Sie sagte, sie komme.); erlebte Rede (Gedanken einer Figur in der 3. Person und im PrĂ€teritum ohne Redeeinleitung: âMorgen wĂŒrde sie es ihm sagen. Ganz bestimmt.â); innerer Monolog (Gedanken in der 1. Person, PrĂ€sens: âIch muss es ihm sagen. Morgen. Ganz bestimmt.â); Bewusstseinsstrom (ungeordneter Gedankenfluss). Epische Formen: Roman, Novelle (nach Goethe eine âsich ereignete unerhörte Begebenheitâ), Kurzgeschichte, ErzĂ€hlung, Fabel (Tiere, Moral), Parabel (Gleichnis, das auf einen anderen Sinn verweist), MĂ€rchen, Sage.
Kafkas âDie Verwandlungâ (1915) beginnt: âAls Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen TrĂ€umen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.â Er-ErzĂ€hlung, weitgehend personales ErzĂ€hlverhalten: Die Leser erleben die Situation aus Gregors Sicht und erfahren nicht mehr als er â die Verwandlung wird nicht erklĂ€rt.
đ Fachbegriffe
- ErzÀhler
- Erfundene Instanz, die im Text erzÀhlt; nicht gleich dem Autor.
- auktorial
- Allwissendes, kommentierendes ErzÀhlverhalten.
- personal
- ErzÀhlen aus der Sicht einer Figur.
- neutral
- ErzÀhlen ohne Innensicht und Kommentar.
- erlebte Rede
- Gedanken einer Figur in der 3. Person und im PrÀteritum.
- innerer Monolog
- Gedanken einer Figur in der 1. Person und im PrÀsens.
- Novelle
- Mittellange ErzĂ€hlung ĂŒber eine unerhörte Begebenheit, oft mit Wendepunkt und Dingsymbol.
â ïž Typische Fehler
- ErzÀhler und Autor gleichsetzen.
- Ich-ErzĂ€hlung automatisch als personal einordnen â Ich-ErzĂ€hler können rĂŒckblickend auch kommentieren.
- Erlebte Rede mit indirekter Rede verwechseln (erlebte Rede: ohne Redeeinleitung, kein Konjunktiv I).
âïž Ăbungen
Aufgabe 1 · leicht: Bestimme die ErzĂ€hlform: (a) âIch öffnete die TĂŒr.â (b) âSie öffnete die TĂŒr.â
Lösung anzeigen
(a) Ich-ErzÀhlung, (b) Er-/Sie-ErzÀhlung.
Aufgabe 2 · mittel: Bestimme die Darbietungsform: (a) âEr dachte: âIch schaffe das.ââ (b) âWĂŒrde er es schaffen? NatĂŒrlich wĂŒrde er es schaffen!â (c) âEr sagte, er schaffe das.â
Lösung anzeigen
(a) direkte Rede (Gedankenzitat), (b) erlebte Rede, (c) indirekte Rede.
Aufgabe 3 · anspruchsvoll: ErklĂ€re, welche Wirkung personales ErzĂ€hlen in Kafkas âDie Verwandlungâ hat.
Lösung anzeigen
Die Leser teilen Gregors begrenzte Perspektive: Die unerklĂ€rte Verwandlung wird als gegeben hingenommen, man erlebt seine Sorgen (Arbeit, Familie) mit und fĂŒhlt seine Isolation. Ein erklĂ€render, allwissender ErzĂ€hler fehlt â das verstĂ€rkt das RĂ€tselhafte und Beklemmende.
â Selbsttest
đ§Ÿ Zusammenfassung
- Autor â ErzĂ€hler; Ich- oder Er-/Sie-ErzĂ€hlung.
- ErzĂ€hlverhalten: auktorial, personal, neutral; Innen-/AuĂensicht.
- ErzÀhlzeit vs. erzÀhlte Zeit; zeitdeckend, -raffend, -dehnend.
- Darbietung: Bericht, direkte/indirekte/erlebte Rede, innerer Monolog.
- Formen: Roman, Novelle, Kurzgeschichte, Fabel, Parabel.
đ© Frag CELINA zu âEpik: ErzĂ€hltechnik und ErzĂ€hlformenâ
Passt dazu: Kurzgeschichte analysieren · Roman und Ganzschrift erschlieĂen · Literarische Texte interpretieren