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Deutsch · Oberstufe und Abitur · Klasse 11–13

Sprachgeschichte und Sprachwandel

Vom Indogermanischen zum Neuhochdeutschen, Lautverschiebungen, Luther und die Normierung der Rechtschreibung – und Sprachwandel heute.

🎯 Lernziele

Nach diesem Thema kannst du 


  • die Stufen der deutschen Sprachgeschichte nennen und zeitlich einordnen
  • die zweite Lautverschiebung an Beispielen erklĂ€ren
  • die Bedeutung Luthers und der Normierung (Duden, 1901) einordnen
  • aktuelle Tendenzen des Sprachwandels beschreiben und bewerten
  • Sprachwandel und Sprachverfall kritisch unterscheiden

💡 ErklĂ€rung

Deutsch gehört zur indogermanischen (indoeuropĂ€ischen) Sprachfamilie und innerhalb dieser zu den germanischen Sprachen, wie Englisch, NiederlĂ€ndisch und die skandinavischen Sprachen. Man unterscheidet grob: Althochdeutsch (etwa 750–1050), Mittelhochdeutsch (etwa 1050–1350, z. B. Nibelungenlied, Walther von der Vogelweide), FrĂŒhneuhochdeutsch (etwa 1350–1650) und Neuhochdeutsch (ab etwa 1650). Die Grenzen sind fließend.

Die zweite (hochdeutsche) Lautverschiebung unterscheidet das Hochdeutsche vom Niederdeutschen und vom Englischen: p → pf/ff (engl. apple – Apfel, ship – Schiff), t → z/ss (engl. ten – zehn, water – Wasser), k → ch (engl. make – machen). Im Norden (Niederdeutsch, „Platt“) blieb der Ă€ltere Lautstand teilweise erhalten (Water, maken).

Martin Luther trug mit seiner BibelĂŒbersetzung (Neues Testament 1522, vollstĂ€ndige Bibel 1534) und dem Buchdruck stark zur Verbreitung einer ĂŒberregionalen Schriftsprache bei; er orientierte sich an der ostmitteldeutschen Kanzleisprache. Eine einheitliche Rechtschreibung gab es lange nicht: Konrad Duden veröffentlichte 1880 sein Wörterbuch, 1901 wurde auf der Orthographischen Konferenz eine einheitliche Rechtschreibung fĂŒr das Deutsche Reich beschlossen. Die Rechtschreibreform von 1996 (ĂŒberarbeitet bis 2006) verĂ€nderte u. a. die ss/ß-Regel.

Sprachwandel heute: Entlehnungen und Anglizismen (Meeting, downloaden), Wandel durch digitale Kommunikation (Kurzformen, Emojis, konzeptionelle MĂŒndlichkeit in Chats), Jugendsprache, VerĂ€nderungen in der Grammatik (z. B. „weil“ mit Verbzweitstellung in der gesprochenen Sprache, RĂŒckgang des Genitivs in manchen Kontexten) und die Debatte um geschlechtergerechte Sprache. Sprachwissenschaftlich gilt Wandel als normal – jede lebendige Sprache verĂ€ndert sich. Ob man VerĂ€nderungen als Bereicherung oder „Sprachverfall“ bewertet, ist eine Wertungsfrage, die man mit Argumenten erörtern sollte.

Beispiel

Vergleich Englisch – Deutsch: „I make an apple pie with water from the ship.“ – Im Deutschen zeigen machen (k → ch), Apfel (p → pf), Wasser (t → ss), Schiff (p → ff) die Spuren der zweiten Lautverschiebung.

📘 Fachbegriffe

Indogermanisch
Rekonstruierte Ursprache einer großen Sprachfamilie, zu der Deutsch gehört.
Althochdeutsch / Mittelhochdeutsch
FrĂŒhe Sprachstufen des Deutschen (ca. 750–1050 / 1050–1350).
zweite Lautverschiebung
Lautwandel, der das Hochdeutsche vom Niederdeutschen und Englischen trennt.
Anglizismus
Aus dem Englischen ĂŒbernommenes Wort oder Wendung.
Sprachwandel
VerĂ€nderung einer Sprache ĂŒber die Zeit.
Normierung
Festlegung verbindlicher Regeln, z. B. der Rechtschreibung.

⚠ Typische Fehler

  • Luther als „Erfinder“ der deutschen Sprache darstellen – er förderte die Vereinheitlichung der Schriftsprache.
  • Sprachwandel pauschal als Verfall bewerten, ohne Kriterien.
  • Die Sprachstufen mit genauen Jahreszahlen als harte Grenzen darstellen.

✏ Übungen

Aufgabe 1 · mittel: Ordne die Sprachstufen zeitlich: Neuhochdeutsch, Althochdeutsch, FrĂŒhneuhochdeutsch, Mittelhochdeutsch.

Lösung anzeigen

Althochdeutsch (ca. 750–1050) → Mittelhochdeutsch (ca. 1050–1350) → FrĂŒhneuhochdeutsch (ca. 1350–1650) → Neuhochdeutsch (ab ca. 1650).

Aufgabe 2 · mittel: Finde zu den englischen Wörtern die deutschen Entsprechungen und benenne den Lautwandel: pepper, sit, book.

Lösung anzeigen

Pfeffer (p → pf/ff), sitzen (t → tz), Buch (k → ch).

Aufgabe 3 · anspruchsvoll: Erörtere die These „Anglizismen gefĂ€hrden die deutsche Sprache“.

Lösung anzeigen

Pro: VerstĂ€ndnisprobleme fĂŒr Menschen ohne Englischkenntnisse, VerdrĂ€ngung vorhandener Wörter, Imponiergehabe. Contra: Entlehnung ist normal (Latein, Französisch frĂŒher), viele Anglizismen werden integriert (gedownloadet), sie fĂŒllen BezeichnungslĂŒcken, Wortschatz wĂ€chst. Urteil: Kein Sprachverfall, aber bewusster Umgang je nach Adressat sinnvoll.

✅ Selbsttest

1. Welche Sprachstufe gilt etwa fĂŒr 1050–1350?
2. Welches Wortpaar zeigt die zweite Lautverschiebung?
3. Wann wurde eine einheitliche Rechtschreibung fĂŒr das Deutsche Reich beschlossen?

đŸ§Ÿ Zusammenfassung

  • Deutsch: indogermanisch, germanisch.
  • Ahd. – Mhd. – Frnhd. – Nhd.
  • Zweite Lautverschiebung: Apfel/apple, Wasser/water, machen/make.
  • Luthers Bibel, Duden 1880, Konferenz 1901, Reform 1996/2006.
  • Sprachwandel ist normal; Bewertung mit Argumenten.

đŸ‘© Frag CELINA zu „Sprachgeschichte und Sprachwandel“

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