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Geschichte · Oberstufe und Abitur · Klasse 10–12

Europäische Einigung

Vom Schuman-Plan zur Europäischen Union: Motive, Stationen, Erweiterungen, Institutionen – und aktuelle Herausforderungen.

🎯 Lernziele

Nach diesem Thema kannst du …

  • Motive der europäischen Einigung nach 1945 erklären
  • zentrale Stationen von der EGKS bis zum Vertrag von Lissabon darstellen
  • die Erweiterungen der Gemeinschaft einordnen
  • Chancen und Probleme der europäischen Integration beurteilen

💡 Erklärung

Nach zwei Weltkriegen sollte die europäische Zusammenarbeit dauerhaft Frieden sichern, besonders zwischen Deutschland und Frankreich. Hinzu kamen wirtschaftlicher Wiederaufbau, gemeinsame Stärke im Kalten Krieg und die Einbindung der Bundesrepublik. Der französische Außenminister Robert Schuman schlug am 9. Mai 1950 vor, die Kohle- und Stahlproduktion – die Grundlage der Rüstung – gemeinsam zu verwalten (heute „Europatag“).

1951 gründeten Frankreich, die Bundesrepublik, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Mit den Römischen Verträgen (1957) entstanden die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit dem Ziel eines gemeinsamen Marktes und Euratom. Der Élysée-Vertrag (1963) besiegelte die deutsch-französische Freundschaft. Seit 1979 wird das Europäische Parlament direkt gewählt.

Mit dem Vertrag von Maastricht (1992, in Kraft 1993) wurde die Europäische Union gegründet: Neben der Wirtschaft kamen gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sowie Zusammenarbeit in Justiz und Innerem hinzu, außerdem die Unionsbürgerschaft und der Weg zur Währungsunion. Der Euro wurde 1999 als Buchgeld und 2002 als Bargeld eingeführt. Durch das Schengener Abkommen fielen in vielen Staaten die Grenzkontrollen weg. Der Vertrag von Lissabon (in Kraft 2009) reformierte die Institutionen und stärkte das Parlament.

Die Gemeinschaft wuchs von sechs auf zeitweise 28 Mitglieder; besonders bedeutend war die Osterweiterung 2004 mit zehn neuen Staaten, darunter Polen, Tschechien und die baltischen Staaten. 2012 erhielt die EU den Friedensnobelpreis. Herausforderungen sind u. a. die Finanz- und Eurokrise ab 2008, Streit um Migration und Asyl, Spannungen um Rechtsstaatlichkeit in einzelnen Mitgliedstaaten und der Austritt Großbritanniens (Brexit, 31. Januar 2020). Kritiker bemängeln ein „Demokratiedefizit“ und Bürgerferne; Befürworter verweisen auf Frieden, Binnenmarkt, Freizügigkeit und gemeinsames Gewicht in der Welt.

Beispiel

Für Jugendliche heute konkret: ohne Passkontrolle in viele Nachbarländer reisen, mit Erasmus+ im Ausland studieren oder ein Praktikum machen, mit dem Euro in vielen Ländern bezahlen, ohne Roaminggebühren im EU-Ausland telefonieren – all das sind Ergebnisse der europäischen Integration.

📘 Fachbegriffe

Integration
Zusammenwachsen von Staaten durch Übertragung von Zuständigkeiten auf gemeinsame Institutionen.
EGKS
Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion), 1951.
Römische Verträge
Verträge von 1957 zur Gründung von EWG und Euratom.
Binnenmarkt
Freier Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital.
Vertrag von Maastricht
Gründung der EU (1992/93), Weg zur Währungsunion.
Supranational
Über den Nationalstaaten stehend; Entscheidungen binden die Mitglieder.
Erweiterung / Vertiefung
Aufnahme neuer Mitglieder / Ausbau der Zusammenarbeit.

⚠️ Typische Fehler

  • EU und Europarat bzw. Europäische Union und Europa (Kontinent) gleichsetzen.
  • Die EU schon 1957 beginnen lassen – damals entstand die EWG; die EU wurde 1992/93 gegründet.
  • Erweiterung und Vertiefung verwechseln.

✏️ Übungen

Aufgabe 1 · leicht: Nenne die sechs Gründungsstaaten der EGKS.

Lösung anzeigen

Frankreich, Bundesrepublik Deutschland, Italien, Belgien, Niederlande, Luxemburg.

Aufgabe 2 · mittel: Erkläre, warum gerade Kohle und Stahl am Anfang der europäischen Einigung standen.

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Kohle und Stahl waren die Grundlage für Industrie und Rüstung. Ihre gemeinsame Kontrolle sollte einen Krieg zwischen Deutschland und Frankreich praktisch unmöglich machen, den Wiederaufbau fördern und die Bundesrepublik gleichberechtigt einbinden.

Aufgabe 3 · anspruchsvoll: Erörtere, ob die EU in erster Linie ein Friedens- oder ein Wirtschaftsprojekt ist.

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Friedensprojekt: Motivation nach 1945, deutsch-französische Aussöhnung, Stabilisierung neuer Demokratien (Süd- und Osterweiterung), Nobelpreis. Wirtschaftsprojekt: Montanunion, EWG, Binnenmarkt, Euro als Kerninstrumente. Verknüpfung: wirtschaftliche Verflechtung als Mittel zum Frieden. Begründetes Urteil.

✅ Selbsttest

1. Wer schlug 1950 die gemeinsame Verwaltung von Kohle und Stahl vor?
2. Mit welchem Vertrag wurde die Europäische Union gegründet?
3. Wann wurde der Euro als Bargeld eingeführt?

🧾 Zusammenfassung

  • Motive: Frieden, Wiederaufbau, Einbindung Deutschlands, Stärke im Kalten Krieg.
  • 1950 Schuman-Plan, 1951 EGKS, 1957 Römische Verträge (EWG), 1963 Élysée-Vertrag.
  • 1992/93 Maastricht (EU), 1999/2002 Euro, 2009 Lissabon.
  • Erweiterungen bis 28 Mitglieder, Osterweiterung 2004; Brexit 2020; Krisen und Kritik.

👩 Frag CELINA zu „Europäische Einigung“

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