Literatur · Mittelstufe · Klasse 8–13
Drama: Formen von der Antike bis heute
Antike Tragödie und Aristoteles, Shakespeare, klassisches Drama, bürgerliches Trauerspiel, offenes Drama, Volksstück, episches, absurdes und dokumentarisches Theater.
🎯 Lernziele
Nach diesem Thema kannst du …
- die Entwicklung des Dramas in Grundzügen beschreiben
- Aristoteles' Begriffe Mimesis und Katharsis erklären
- Tragödie und Komödie unterscheiden
- geschlossene und offene Form sowie episches und absurdes Theater vergleichen
💡 Erklärung
Das europäische Drama entstand im antiken Griechenland (Aischylos, Sophokles, Euripides; Komödien von Aristophanes). Aristoteles beschrieb in seiner „Poetik“ die Tragödie als Nachahmung (Mimesis) einer Handlung, die durch Jammer und Schaudern (bzw. Mitleid und Furcht) eine Reinigung (Katharsis) der Zuschauer bewirkt; wichtig war ihm die Einheit der Handlung.
William Shakespeare (1564–1616) verband Tragik und Komik, Hoch und Niedrig; seine Werke beeinflussten den Sturm und Drang stark. Das klassische Drama (z. B. Goethes „Iphigenie auf Tauris“, Schillers „Maria Stuart“) ist meist geschlossen gebaut: fünf Akte, Versdrama, hohe Sprache. Im bürgerlichen Trauerspiel (Lessing, „Emilia Galotti“; Schiller, „Kabale und Liebe“) werden Bürger zu tragischen Helden.
Das offene Drama löst sich von diesen Regeln: kurze Szenen, viele Orte, Alltagssprache – Büchners „Woyzeck“ (Fragment, um 1836/37) zeigt einen einfachen Soldaten, der an sozialen Verhältnissen zerbricht. Im Naturalismus (Hauptmann, „Die Weber“) wird das Milieu genau abgebildet; das Volksstück (Ödön von Horváth) zeigt kleine Leute mit ihrer Sprache.
Im 20. Jahrhundert entwickelte Brecht das epische Theater (Verfremdung, Lehrstück); das absurde Theater (Samuel Beckett, „Warten auf Godot“; Eugène Ionesco) zeigt eine sinnentleerte Welt mit sinnlosen Dialogen; das Dokumentartheater (Peter Weiss, „Die Ermittlung“, 1965, über den Frankfurter Auschwitz-Prozess) arbeitet mit Originaldokumenten. Friedrich Dürrenmatt verband Komödie und Groteske („Der Besuch der alten Dame“, 1956; „Die Physiker“, 1962).
Dürrenmatts Satz aus den „21 Punkten zu den Physikern“ – eine Geschichte sei erst dann zu Ende gedacht, wenn sie ihre schlimmstmögliche Wendung genommen habe – erklärt seine Tragikomödien: Gerade der Versuch, das Unheil zu verhindern, führt in die Katastrophe.
📘 Fachbegriffe
- Mimesis
- Nachahmung der Wirklichkeit (Aristoteles).
- Katharsis
- Reinigung der Zuschauer durch Jammer/Mitleid und Schaudern/Furcht.
- Tragödie / Komödie
- Trauerspiel mit Untergang / Lustspiel mit glücklichem Ausgang.
- offenes Drama
- Drama mit loser Szenenfolge, vielen Orten, Alltagssprache.
- absurdes Theater
- Theater, das Sinnlosigkeit und Kommunikationsverlust zeigt.
- Groteske
- Verbindung von Komischem und Grauenvollem.
⚠️ Typische Fehler
- Alle Dramen nach dem Pyramidenschema deuten.
- Komödie mit „lustig ohne Ernst“ gleichsetzen – viele Komödien enthalten Gesellschaftskritik.
- Katharsis als „Bestrafung der Figuren“ missverstehen.
✏️ Übungen
Aufgabe 1 · mittel: Ordne zu: Woyzeck, Warten auf Godot, Maria Stuart, Die Ermittlung, Der Besuch der alten Dame – klassisches Drama, offenes Drama, absurdes Theater, Dokumentartheater, Tragikomödie.
Lösung anzeigen
Maria Stuart – klassisches Drama; Woyzeck – offenes Drama; Warten auf Godot – absurdes Theater; Die Ermittlung – Dokumentartheater; Der Besuch der alten Dame – Tragikomödie.
Aufgabe 2 · anspruchsvoll: Vergleiche die Wirkungsabsicht des aristotelischen Theaters mit der des epischen Theaters.
Lösung anzeigen
Aristotelisch: Einfühlung in die Figuren, Mitleid und Furcht führen zur Katharsis. Episches Theater (Brecht): Verfremdung verhindert Einfühlung; Zuschauer sollen kritisch beobachten, gesellschaftliche Verhältnisse als veränderbar erkennen und handeln.
✅ Selbsttest
🧾 Zusammenfassung
- Antike: Tragödie, Aristoteles (Mimesis, Katharsis).
- Shakespeare; klassisches Drama; bürgerliches Trauerspiel.
- Offenes Drama, Naturalismus, Volksstück.
- Episches, absurdes, dokumentarisches Theater; Dürrenmatts Tragikomödien.
👩 Frag CELINA zu „Drama: Formen von der Antike bis heute“
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