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Literatur · Unterstufe · Klasse 5–6

MĂ€rchen, Sagen und Fabeln

Merkmale von Volks- und KunstmĂ€rchen, Sagen und Fabeln – mit den BrĂŒdern Grimm, Äsop und Lessing.

🎯 Lernziele

Nach diesem Thema kannst du 


  • Merkmale von MĂ€rchen, Sagen und Fabeln unterscheiden
  • VolksmĂ€rchen und KunstmĂ€rchen unterscheiden
  • die Lehre einer Fabel erkennen
  • eigene MĂ€rchen oder Fabeln nach Merkmalen schreiben

💡 ErklĂ€rung

MĂ€rchen sind fantastische ErzĂ€hlungen: Ort und Zeit sind unbestimmt (Es war einmal 
), es gibt Zauberei, sprechende Tiere, Hexen und Feen, klare GegensĂ€tze von Gut und Böse, magische Zahlen (3, 7, 12), PrĂŒfungen des Helden und meist ein glĂŒckliches Ende. VolksmĂ€rchen wurden mĂŒndlich ĂŒberliefert und von Sammlern aufgeschrieben – berĂŒhmt sind die „Kinder- und HausmĂ€rchen“ der BrĂŒder Jacob und Wilhelm Grimm (ab 1812). KunstmĂ€rchen wurden von einem bestimmten Autor erfunden (z. B. Wilhelm Hauff, Hans Christian Andersen).

Sagen spielen an bestimmten, oft realen Orten und behaupten einen wahren Kern (z. B. Sagen ĂŒber Burgen, Berge, Helden wie Siegfried oder den RattenfĂ€nger von Hameln). Sie erklĂ€ren manchmal Namen oder Naturerscheinungen und enden oft nicht glĂŒcklich.

Fabeln sind kurze ErzĂ€hlungen, in denen Tiere mit menschlichen Eigenschaften handeln (der listige Fuchs, der stolze Rabe, der starke Löwe). Sie zeigen eine Situation, eine Handlung und eine Pointe und enthalten eine Lehre (Moral), die ausgesprochen oder erschließbar ist. Bekannte Fabeldichter: Äsop (antikes Griechenland), Jean de La Fontaine (17. Jh.), Gotthold Ephraim Lessing (18. Jh.).

Alle drei Formen wurden lange mĂŒndlich erzĂ€hlt und spiegeln Werte, Ängste und WĂŒnsche der Menschen. In der Schule untersucht man ihren Aufbau, ihre Figuren und ihre Botschaft – und schreibt eigene Texte nach ihren Merkmalen.

Beispiel

Fabel „Der Fuchs und der Rabe“ (nach Äsop, bearbeitet u. a. von La Fontaine und Lessing): Der Fuchs schmeichelt dem Raben, bis dieser zu singen beginnt und dabei den KĂ€se fallen lĂ€sst. Lehre: HĂŒte dich vor Schmeichlern. (Lessing verĂ€nderte die Fabel: Bei ihm ist das Fleisch vergiftet, und der Fuchs stirbt – der Schmeichler wird bestraft.)

📘 Fachbegriffe

VolksmÀrchen
MĂŒndlich ĂŒberliefertes, spĂ€ter aufgeschriebenes MĂ€rchen.
KunstmÀrchen
Von einem bekannten Autor erfundenes MĂ€rchen.
Sage
ErzÀhlung mit Ortsbezug und behauptetem wahren Kern.
Fabel
Kurze TiererzÀhlung mit Lehre.
Moral
Lehre einer Fabel.
Pointe
Überraschende, zugespitzte Wendung am Schluss.

⚠ Typische Fehler

  • MĂ€rchen und Sagen verwechseln – Sagen haben Ortsbezug und wollen wahr wirken.
  • Bei Fabeln die Lehre nur nacherzĂ€hlen statt sie zu formulieren.
  • Grimms MĂ€rchen fĂŒr von den Grimms erfunden halten – sie sammelten und bearbeiteten sie.

✏ Übungen

Aufgabe 1 · leicht: Nenne fĂŒnf Merkmale von MĂ€rchen.

Lösung anzeigen

Es war einmal / unbestimmte Zeit und Ort, Zauberei, sprechende Tiere, Gut gegen Böse, magische Zahlen, PrĂŒfungen, glĂŒckliches Ende.

Aufgabe 2 · mittel: Formuliere die Lehre der Fabel „Die Ameise und die Grille“ (die Grille singt im Sommer, die Ameise sammelt VorrĂ€te; im Winter hungert die Grille).

Lösung anzeigen

Wer rechtzeitig vorsorgt, ist in schweren Zeiten geschĂŒtzt; wer nur an das VergnĂŒgen denkt, gerĂ€t in Not.

✅ Selbsttest

1. Wer sammelte die „Kinder- und HausmĂ€rchen“?
2. Was unterscheidet eine Sage vom MĂ€rchen?
3. Was enthÀlt eine Fabel typischerweise?

đŸ§Ÿ Zusammenfassung

  • MĂ€rchen: unbestimmt, magisch, Gut/Böse, glĂŒckliches Ende; Volks- vs. KunstmĂ€rchen.
  • Sage: Ortsbezug, wahrer Kern.
  • Fabel: Tiere mit menschlichen Eigenschaften, Pointe, Lehre (Äsop, La Fontaine, Lessing).

đŸ‘© Frag CELINA zu „MĂ€rchen, Sagen und Fabeln“

Passt dazu: Gattungen: Lyrik, Epik, Dramatik · Epik: ErzÀhlformen und ErzÀhltechniken